BZL – Zertifiziertes Beratungszentrum Lymphologie

BZL – Zertifiziertes Beratungszentrum Lymphologie

Bestimmt haben Sie schon einmal von dem Begriff „Wassersucht“ gehört. Gemeint ist damit nichts anderes als ein Ödem, also eine Schwellung, die durch Einlagerung von Flüssigkeit im Gewebe hervorgerufen wird. Geschwollene Beine sind ein typisches Beispiel. Kann diese Flüssigkeit im Gewebe nicht mehr ausreichend über die Lymphgefäße abtransportiert werden, so spricht man von einem Lymphödem.

Kurz gesagt: Ein Lymphödem wird entweder durch eine Stauung oder Störung im Lymphsystem oder das Fehlen von Lymphgefäßen verursacht. Unbehandelt geht es meist von einer leichten Form in ein schweres Stadium über, da Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe die Blut- und Nährstoffversorgung der Zellen einschränken und sich angesammelte Zellkörper schmerzhaft verhärten können.

Ein Lymphödem muss daher so früh wie möglich behandelt werden, um größere Schäden zu vermeiden. Kompressionstherapie hilft, das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen.

„Das Positive daran, ich kann damit alt werden“

(Quelle: www.medi.de/patient/medi-moments/brigitte-w/)

Rund drei Millionen Menschen leiden in Deutschland nach vorsichtigen Expertenschätzungen unter einer Erkrankung des Lymphgefäßsystems (1). Die reale Zahl kann aber deutlich höher liegen.

Denn: Viele Betroffene werden eher zufällig auf ihre Erkrankung aufmerksam. Hervorgerufen durch starke Schwellungen, besonders an Armen oder Beinen, recherchieren sie im Internet, wenden sich an Therapeuten oder Selbsthilfegruppen. Steht die ärztliche Diagnose Lymphödem fest, werden aber bei weitem nicht alle Patienten richtig und ausreichend behandelt.

Kompressionstherapie beim Arm-Lymphödem

Eine Patientin, bei der die richtige Diagnose frühzeitig erstellt wurde und die Behandlung bis heute umfassend erfolgt, ist Brigitte W. (Name der Redaktion bekannt). Die dreifache Mutter erkrankte 2007 an Brustkrebs. Zwei Lymphknoten waren befallen, vierzehn wurden sicherheitshalber entfernt. Der Eingriff verlief erfolgreich, doch drei Wochen nach der Operation wurde ihr rechter Arm dick. Als sie dann noch starkes Fieber bekam, suchte sie Rat bei ihrem Hausarzt, der gleichzeitig auch Lymphologe ist.

Ein Glücksfall. Denn während Patientinnen nach ähnlichen Eingriffen nicht selten damit vertröstet werden, dass die Schwellung eine normale Komplikation sei, diagnostizierte ihr Arzt richtigerweise ein Lymphödem. Mit dieser Folgeerkrankung ist sie nicht allein. Aufgrund der aktuellen Studienlage kann man annehmen, dass durchschnittlich 20 bis 30 Prozent der Patientinnen von einem Brustkrebs assoziierten Lymphödem betroffen sind (2).

Die Säulen einer erfolgreichen Therapie: Arzt, Therapeut, Sanitätsfachhandel

„So komisch sich das vielleicht anhört, aber im ersten Moment war ich erleichtert. Ich hatte schon befürchtet, dass der Krebs wieder auftritt“, so Brigitte W. „Was ein Lymphödem ist und welche Folgen die Diagnose letztlich hat, war mir gar nicht bewusst.“

Ihr Arzt verordnete ihr sofort eine manuelle Lymphdrainage. Sie ist Voraussetzung, um die starke Schwellung in den Griff zu bekommen und ein wichtiger Bestandteil der sogenannten Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE). Die KPE gilt in Fachkreisen als einzig wirkungsvolle Therapie zur Lymphödemreduktion. Konsequente Hautpflege, spezielle Gymnastik sowie Kompressionsbandagierung bzw. Kompressionsbestrumpfung komplettieren die Therapie.

Brigitte W. begab sich daraufhin zur Behandlung in eine spezielle Physiotherapiepraxis. In der Entstauungsphase zu Beginn der Therapie bekam sie nahezu täglich Lymphdrainagen und anschließend Kompressionsbandagen angelegt. Mit Erfolg.

Ihr Armumfang reduzierte sich Zentimeter für Zentimeter und nach vier Wochen konnte sie erstmals fachmännisch für die Kompressionsbestrumpfung vermessen werden. Seitdem geht die Patientin vier Mal pro Woche zur Lymphdrainage und trägt zum Erhalt des Therapieergebnisses rund zwölf Stunden am Tag einen flachgestrickten Armstrumpf.

„Im Großen und Ganzen halten wir uns jetzt seit zwei Jahren recht gut“, sagt Brigitte W.

Sie sagt bewusst „wir“ und sieht dabei zu Regina E. (Name der Redaktion bekannt). Sie ist Lymphexpertin in einem Augsburger Sanitätshaus und betreut Brigitte W. seit Beginn ihrer Therapie vor mehr als sechs Jahren. Die Frauen haben mittlerweile großes Vertrauen zueinander aufgebaut. „Sie ist mit ihrer Erfahrung für mich eine wichtige Anlaufstelle. Sei es bei Fragen zum Lymphödem, zur Therapie oder auch zu den Armstrümpfen. Gerade am Anfang ist man ja für jede Information dankbar, auch wenn man manche Antwort nicht so gerne hört“, sagt Brigitte W. So wie die Tatsache, dass der Armstrumpf ihr ständiger Begleiter sein wird. „Da hat Frau E. schon früh keine falschen Illusionen aufkommen lassen. Aber, und das war das Positive daran, ich kann damit alt werden. Dieses Feedback von einer Fachfrau zu hören, hat mir viel Angst genommen.“

Aktiv leben mit flachgestricktem Kompressionsstrumpf

Die Patientin hat sich mittlerweile an den Strumpf gewöhnt. Das morgendliche Anziehen ist dank eines Strumpfbutlers zum einfachen Ritual geworden. Die Lust am Leben lässt sie sich jedenfalls durch das Lymphödem nicht nehmen. In ihrer Freizeit geht sie gerne Walken, leitet die Selbsthilfegruppe Mamazone e.V. für Frauen mit Brustkrebs und macht sonst all die Dinge, die sie auch schon vor ihrer Erkrankung gerne gemacht hat.

Damit ein gutes Therapieergebnis, wie bei Brigitte W., erzielt werden kann und es zu einer hohen Therapietreue kommt, ist die perfekte Passform des Strumpfes wichtig. Die Voraussetzung ist dabei das richtige Vermessen. In speziellen Schulungen wird gezeigt, an welchen Stellen gemessen werden muss, wie viele Maße man benötigt oder was das Zugmaß bedeutet.

Der richtige Zeitpunkt ist entscheidend

„Am besten misst man direkt nach der Lymphdrainage, noch in der Physiotherapiepraxis“, sagt Regina E. Dann hat man das beste Ergebnis und der Strumpf, der ja ein halbes Jahr passen muss, hat die richtige Größe.“ Die Sanitätsfachfrau ist seit dreizehn Jahren im Bereich der Lymphversorgung tätig.

Um auf dem Laufenden zu bleiben und ihren Kundinnen und Kunden eine bestmögliche Beratung zu geben, besucht sie jährlich zwei bis drei Fortbildungen. „Ich erfahre hier immer etwas Neues. Seien es neue Materialen, Zusätze oder Trends, die die Therapietreue der Patienten erhöhen.“ Hier hat sich in den letzten Jahren viel Positives getan. Neuerdings gibt es sogar Armstrümpfe mit Mustern und bunten Farben (z. B. mediven 550 Arm in Aqua, Anthrazit oder Marine von medi). Das Motto: „Live Laugh Love“ (Leben, lachen, lieben). Modischer Gag oder starkes Zeichen?

Dazu Brigitte W.: „Ich persönlich finde es genial. Erstens ist das Aqua eine fröhliche Farbe und damit eine willkommene Abwechslung zum tristen Schwarz oder Braun. Zweitens finde ich, dass das Motto „Leben, lachen, lieben“ alles beinhaltet, was mir wichtig ist. Es zeigt nach außen, dass ich mit dem Lymphödem alt werden kann. Und das will ich auch.“ Brigitte W. freut sich schon auf das nächste Treffen ihrer Selbsthilfegruppe, bei dem sie ihren neuen Armstrumpf präsentieren wird.

Sie ist sich sicher, dass viele der Frauen ihre Begeisterung teilen werden.


(1) Dr. med. Schingale, Franz-Josef. In: Lymphödeme / Lipödeme. Diagnose und Therapie. Ein Ratgeber für Betroffene. 3., überarbeitete Auflage (2007). S. 9. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG.

(2) Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (2008): Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Germering, München: W. Zuckschwerdt Verlag.